Erzählen in Bild und Wort
12|06|2026 - 24|01|2027
Sonderausstellung
© GRIMMWELT Kassel | Foto: Nicolas Wefers
© GRIMMWELT Kassel | Foto: Nicolas Wefers
© GRIMMWELT Kassel | Foto: Nicolas Wefers
© GRIMMWELT Kassel | Foto: Nicolas Wefers
© GRIMMWELT Kassel | Foto: Nicolas Wefers
© GRIMMWELT Kassel | Foto: Nicolas Wefers
© GRIMMWELT Kassel | Foto: Nicolas Wefers
© GRIMMWELT Kassel | Foto: Nicolas Wefers
© GRIMMWELT Kassel | Foto: Nicolas Wefers
»Ihre Bilder lassen uns erneut glauben, dass es leicht ist, mit Pflanzen zu sprechen oder sich in einen Vogel zu verwandeln.
Kann Kunst ein größeres Geschenk machen?«
Laufzeit 12|06|2026 - 24|01|2027
Das Erzählen von Geschichten ist ein lebendiger Austausch über Zeiten und Kulturen hinweg. Die erste umfassende Einzelausstellung zur Künstlerin Helga Gebert macht dies anhand ihrer Werke, ihrer Bilder- und Märchenwelten sichtbar. Illustrationen werden zu Orten, an denen Geschichten weitergedacht, hinterfragt und neu geformt werden.
Helga Gebert, 1935 in Freiburg im Breisgau geboren, hat mit ihrem Werk eine beeindruckende Vielfalt an Figuren und Welten geschaffen – ob mit der Illustration bekannter Geschichten aus der Grimm’schen Märchensammlung, aus 1001 Nacht oder mit ihren eigenen Erzählungen. Sie galt in den 1970er und 80er Jahren als eine der wichtigen Figuren der Erneuerung des deutschen Kinder- und Jugendbuches und war eine der Hausautor*innen und Illustrator*innen des damals im Verlag Beltz neu gegründeten Kinder- und Jugendbuchprogramms Beltz & Gelberg. Ihr Werk veranschaulicht die feinen Gratwanderungen zwischen vertrauten Traditionen und der Möglichkeit ihrer Erneuerung. Verwandlungen, Perspektivwechsel und Irritationen regen dazu an, die ästhetischen wie erzählerischen Strategien der Künstlerin im Kontext heutiger Diskurse über Märchen- und Erzählkulturen zu befragen.
Sonderausstellung »ZWISCHEN GESTALTEN | HELGA GEBERT«
© GRIMMWELT Kassel | Foto: Nicolas Wefers
ZWISCHEN GESTALTEN zeigt das dynamische Wechselspiel zwischen Wort und Bild, zwischen den Illustrationen und überlieferten Stoffen. Dabei wird erkennbar, wie Märchenbilder sich und ihre Bedeutungen verändern und wie sich in ihnen kulturelle Prägungen, Hierarchien und die fortwährende Aneignung von Geschichten einschreiben. So ermöglicht das Werk von Helga Gebert neue Perspektiven auf zeitgemäße Formen des Erzählens.
Momente aus ihrer Biographie, prägende Eindrücke aus ihrem Leben, ihre Inspirationsquellen, Beispiele ihres politischen und sozialen Engagements geben Einblicke in die Lebenswelt der Künstlerin. Zahlreiche – und darunter auch etliche unveröffentlichte – Bilder Helga Geberts zeugen von ihrer immensen Schaffenskraft. Einzelne Werke anderer Künstler*innen wie etwa aus der Grimm-Sammlung der Stadt Kassel, von Maurice Sendak, Helga Ruppert-Tribian und des Kasseler Illustrators Markus Lefrançois bieten die Möglichkeit eines vergleichenden Blicks auf die Wahl der Märchen, Szenen und Figurendarstellungen. Künstlerische, interaktive, filmische und auditive Elemente fügen der Ausstellung weitere Facetten hinzu, wie etwa eine Filminstallation von Catrine Val, eine Soundcollage von Katharina Zimmerhackl, eine Interaktionsmöglichkeit in Zusammenarbeit mit Olaf Val und Lina Walde. Die Arbeiten einer 6. Klasse des Kasseler Wilhelmsgymnasiums sind Teil einer weiteren interaktiven Station und animieren wiederum zum Selber-Malen in der Ausstellung. Eine Rätselspur für Kinder und ein Ausstellungskatalog vertiefen die Themen der Ausstellung.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Gestaltungsbüro Gebert & Krüger und wurde kuratiert von Hanna Krüger.
Die Ausstellung wird großzügig gefördert von der documenta Stadt Kassel und dem Landkreis Kassel.
Helga Gebert, Illustration zu »Irma sucht Eugen. Bildgeschichte« (Bilder-Buch; 17), Beltz & Gelberg, 1975
© Helga Gebert
Helga Gebert, Illustration zu »Igel und Maus«, (unveröffentlicht, o.J.)
© Helga Gebert
Helga Gebert, freie Arbeit, (unveröffentlicht, o.J.)
© Helga Gebert
Helga Gebert, Illustration Grimm Wimmelbild, (unveröffentlicht, o.J.)
© Helga Gebert
Helga Gebert, Illustration zum Märchen der Brüder Grimm: »Aschenputtel« (unveröffentlicht, o.J.)
© Helga Gebert
Helga Gebert, Illustration zu »Umtschegin und die Schwanenmädchen«, in: Woher und Wohin? Märchen der Frauen, Beltz & Gelberg, 1991
© Helga Gebert
H. Gebert, Illustr. zu »Östlich von der Sonne u. westlich vom Mond«, in: Mutabor. Märchen d. Verwandlung, Beltz & Gelberg, 1988
© Helga Gebert
Helga Gebert, »Die Geschichte vom Aufblaser Blob«, in: BilderBuch Nummer 1. Erster Jahresband, Beltz & Gelberg, 1973
© Helga Gebert
ZWISCHEN GESTALTEN | HELGA GEBERT.
ERZÄHLEN IN BILD UND WORT
Die Publikation zur Ausstellung erschließt erstmalig das Werk der Illustratorin und Autorin, die 1935 in Freiburg im Breisgau geboren wurde und zu einer der prägenden Figuren der Erneuerung des deutschen Kinder- und Jugendbuches in den 1970er Jahren wurde. Zahlreiche Abbildungen des facettenreichen Werks treffen auf Textbeiträge aus unterschiedlichen Perspektiven: Wissenschaftliche Expertisen aus Literaturwissenschaft, Ästhetischer Bildung sowie Kunst- und Kulturwissenschaften verbinden sich mit Einblicken von Wegbegleiter*innen in Biographie, Engagement und Arbeitsweisen von Helga Gebert.
Herausgegeben von: GRIMMWELT Kassel gGmbH
Kerber Verlag
ISBN 978-3-7356-1102-4
256 Seiten, 250 farbige Abbildungen, DE, 35,- €
Während der Ausstellungszeit im Shop der GRIMMWELT zum Sonderpreis erhältlich 25,- €
Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Anfang August
Helga Gebert
Helga Gebert (*16. Januar 1935 in Freiburg im Breisgau) ist Illustratorin, Malerin, Autorin und Übersetzerin. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Märchenbücher, für die sie Illustrationen schuf, eigene Textfassungen erarbeitete und Übersetzungen aus den Originalsprachen ins Deutsche vorlegte. Für ihre Arbeit lernte sie unter anderem Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Arabisch. Ihre Illustrationen reichen von feinen Federzeichnungen und Aquarellen bis zu detailreichen Ölbildern. Neben Buchillustrationen entwarf sie auch Wand- und Bühnenbilder, unter anderem für die Freiburger Kinderklinik und das Wallgraben-Theater Freiburg. Ab 1963 arbeitete sie zudem als Gestaltungstherapeutin in der psychosomatischen Abteilung der Universitätsklinik Freiburg. Seit den 1970er-Jahren prägte sie das Kinder- und Jugendbuchprogramm des Verlags Beltz ("Beltz & Gelberg") maßgeblich und engagierte sich gesellschaftlich – in der Anti-Atomkraft-Bewegung ebenso wie in der Freiburger Geflüchtetenhilfe.
Ihre Begeisterung für Märchenwelten entwickelte sich bereits in ihrer frühen Kindheit. Helga Gebert wuchs in Freiburg und in einem kleinen Dorf im Südschwarzwald auf, wo eine Tante sie in die Welt der Geschichten, des Malens und des Zeichnens einführte. Nach ihrer Schulzeit studierte sie Malerei an der Staatlichen Akademie der Künste in Freiburg. Seither versteht sie sich als Malerin fantastischer Welten – und ist es bis heute geblieben.
Helga Gebert
Foto © Margrit Mueller
»Beim Malen wollen dann die Figuren anders herum. Eigentlich habe ich gedacht, so soll es aussehen und dann kommt es plötzlich anders.«
Hanna Krüger | Kuratorin der Ausstellung
Hanna Krüger wurde 1979 in Berlin geboren. Sie studierte Produktdesign an der Kunsthochschule Kassel sowie Kulturen des Kuratorischen an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Heute arbeitet sie als Designerin, Ausstellungsarchitektin und Kuratorin; seit fünfzehn Jahren leitet sie gemeinsam mit Jakob Gebert das Designstudio Gebert & Krüger in Kassel.
Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Kulturtechniken, Gestaltung, Kunst und Naturwissenschaften. Charakteristisch ist ein transdisziplinärer Zugang, der künstlerische, gestalterische und kuratorische Perspektiven miteinander verschränkt. Daraus entstehen sorgfältig komponierte, atmosphärisch dichte Ausstellungsprojekte, in denen ästhetische, kulturelle und gesellschaftliche Fragestellungen zu vielschichtigen Erzählräumen verwoben werden.
Mit dem Studio Gebert&Krüger realisierte sie Ausstellungsprojekte u.a. für die Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD), das MAK Wien, die GRIMMWELT Kassel oder die Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns (SNSB).
Jakob Gebert | Gestalter der Ausstellung und Helga Geberts Sohn
Jakob Gebert (*1965 in Freiburg im Breisgau) ist Produktdesigner, Ausstellungsarchitekt und Professor an der Kunsthochschule / Universität Kassel. Nach dem Studium an der Hochschule für Gestaltung Basel arbeitete er als selbstständiger Produktdesigner unter anderem für Unternehmen wie Vitra und Nils Holger Moormann. Seit fünfzehn Jahren leitet er gemeinsam mit Hanna Krüger das Designstudio Gebert & Krüger in Kassel. Das Büro kuratiert, gestaltet und realisiert Ausstellungsprojekte für und mit Institutionen, Museen und Hochschulen.
Jakob Geberts Arbeit – in Praxis und Lehre – versteht Gestaltung als Kulturtechnik, die verändernd auf das Verhältnis von Menschen zu ihrem Umfeld einwirkt: als gemeinsame Tätigkeit, die in Zwischenräumen andere Weisen des Wohnens, Arbeitens und Zeigens eröffnet – zwischen Objekt und Architektur, zwischen alltäglichen Situationen und kuratierten Räumen, zwischen institutionellen Rahmen und individueller Aneignung.
Aktuelle Veranstaltungen und öffentliche Führungen aus dem Vermittlungsprogramm zur Sonderausstellung:
Die Ausstellung wird großzügig gefördert von der documenta Stadt Kassel und dem Landkreis Kassel
ZWISCHEN GESTALTEN | HELGA GEBERT
Erzählen in Bild und Wort
Geschäftsführung | Programmleitung GRIMMWELT Kassel
Jan Sauerwald
Kuratorin
Hanna Krüger
Projektteam GEBERT & KRÜGER
Hanna Krüger, Jakob Gebert, Helga Gebert, Florian Müller, Antonia Ludwig, Anna Engelhardt, Jasper Engelhardt
Projektteam GRIMMWELT Kassel
Claudia Roßkopf, Jan Sauerwald, Karoline Schmidt, Björn Wolf
Gestaltung
GEBERT & KRÜGER
Grafikdesign Ausstellung
Studio Terhedebrügge, Hanna Krüger
Videoarbeit ÜBERSETZEN
Catrine Val
Soundinstallation ERSCHRECKEN
Katharina Zimmerhackl
Interaktive Installation ANEIGNEN
Hanna Krüger, Olaf Val, Lina Walde
Animation WHO IS HELGA?
Hanna Krüger, Antonia Ludwig, Tobias Zarges
Intervention Bild und Text FABULIEREN
Klasse 6e Wilhelmsgymnasium Kassel
Produktionsmanagement
Jakob Gebert, Florian Müller, Björn Wolf
Aufbau und Arthandling
Hanna Krüger, Jakob Gebert, Philip Scholz, Milan Stein, Simon Obermeyer, Darius Zalzadeh, Felicia Schachtschneider, Anna Huber
Grafikdesign Rätselspur
Studio Terhedebrügge
Vermittlung
Julia Ronge, Karoline Schmidt
Presse | Öffentlichkeitsarbeit | Marketing
Katja Blum, Antje Haferkamp, Filip Kolek, Karoline Schmidt
Verwaltung
Stefanie Büscher, Christine Großberndt, Svenja Polonji, Karoline Schmidt, Lina Schmidt, Timo Vogt
Medientechnik
Sophie Hilbert, Rolf Tonhäuser, Olaf Val, Björn Wolf
Licht
Armin Jakob/Jabatech, Landwehr + Schultz
Lektorat
Rea Triyandafilidis
Übersetzung
Neville Williamson
Betreuung der Grimm-Sammlung der Stadt Kassel
Kilian Knop, Júlia Révay
Wir danken:
WISAG Gebäudereinigung Hessen Nord GmbH & Co. KG, secura protect Mitte GmbH
den freien Vermittler*innen
Wir bedanken uns für die Zusammenarbeit bei:
Heinrich Hartleb, Kurt Heerdt & Sohn, Malermeister Heiko Wiktor, Werbetechnik Zinke, Holztechnik Finkele GmbH, Julius Kress OHG, TYPESONFOIL Werbe- und Veranstaltung GmbH, Matthias Heß, Valeria Santagati, Ulrich Scholz, Thomas Dörsch, Darius Zalzadeh
Wir danken den Förderern der Ausstellung
documenta Stadt Kassel | Landkreis Kassel
»Bilder, die nicht recht geraten sind, die nenne ich immer »zwei rechts-zwei links gestrickt«. Die sind irgendwie mechanisch entstanden. Wenn ein Bild gut geworden ist, dann habe ich das Gefühl, das sei gar nicht nur einfach ich gewesen, die gemalt hat. Das erlebe ich auch beim Schreiben so. Entweder ist es »zwei rechts-zwei links gestrickt« oder plötzlich geht es wie von selbst. Man wird beflügelt. Wenn man nicht festhält, sondern darüber hinaus denkt, dann entsteht eine Energie, die zu etwas Neuem führt. Aber manchmal ist man innerlich zu, ist abgeschottet. Und dann malt oder schreibt man halt »zwei rechts-zwei links«. Bei den Märchen ist es der vorgegebene Text, der mich zu einem Bild führt. Bei der Bildergeschichte, welche ich gerade male, entstehen die Bilder prozesshaft: Da habe ich mal angefangen mit einer Maus, die eine rote Mütze trägt. Und dann habe ich überlegt: Was macht die nun? Da denke ich dann dauernd darüber nach. Also auch beim Kartoffelschälen, oder wenn ich im Bett liege und noch nicht schlafe. Dann denke ich: Blau, blau müsste es sein! Blau – Wasser, ah ja, die fällt ins Wasser. Und so kommt langsam die Geschichte in Bildern zu mir. Und dann male ich und beim Malen verändert es sich. Beim Malen wollen dann die Figuren anders herum. Eigentlich habe ich gedacht, so soll es aussehen und dann kommt es plötzlich anders. Ist ja dann auch gut.«





















