Erlebnisraum GRIMMWELT

Dauerausstellung der Grimmwelt

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Sonder­ausstellung

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GRIMMWELT ist Standort der documenta fifteen

Vom 18. Juni bis 25. September 2022 findet die documenta fifteen unter der Künstlerischen Leitung von ruangrupa an verschiedenen Orten in Kassel statt.

Dauerausstellung

Mutter und Kind schauen sich Märchenbücher im Bereich VOLKSMÄRCHEN an.

Erlebnisraum GRIMMWELT

Hier kommen die Brüder Grimm in der Jetzt-Zeit an: Künstlerisch, interaktiv und multimedial vermittelt.

Ein älterer Herr zeigt seiner Begleitung Ausstellungstücke in einer Vitrine im Bereich CASSEL.
Mit gelbem und silbernem Autolack überzogene Holzwurzeln.
Vater und Sohn hören sich Märchen in der Dornenhecke an.
Zwei Männer im Ausstellungsbereich Quitte.
Löffel und blau geblümter Teller aus dem Nachlass der Grimms.
Eine Person hält den Flyer "Rundgang" in den Händen.

In der GRIMMWELT Kassel kommen die Brüder Grimm in der Jetzt-Zeit an.

Wohl jeder kennt die Brüder Grimm und verbindet mit ihnen Erinnerungen, die weit in die eigene Kindheit zurückreichen. Jacob und Wilhelm Grimm haben mit ihrer Sammlung der »Kinder- und Hausmärchen« ganze Generationen geprägt – denn Märchen faszinieren die Menschen weltweit. Sie entführen in eine Welt voller Wunder, öffnen der Fantasie die Tore und wecken Sehnsüchte.

Doch die Verdienste der Brüder Grimm sind damit bei weitem nicht erschöpft: Sie waren bedeutende Sprachforscher und gelten als Mitbegründer der Germanistik.

Zahlreiche moderne Ausstellungsformate sorgen für Aha-Effekte und machen sie zu einem Ort des Erkundens und aktiven Erfahrens. Spielerische wie informative Zugänge sowie sprach-, literatur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven ermöglichen den Besucher*innen sich mit dem facettenreichen Werk der Brüder Grimm auseinanderzusetzen.

Unterschiedliche Formate wie wertvolle Originale, Film und Ton, multimediale Anwendungen sowie künstlerische Installationen sorgen für ein spannendes Erlebnis.

Rundgang

Gegliedert ist die Ausstellung nach den Buchstaben des Alphabets, aber nicht alphabetisch. Der Rundgang beginnt mit Z wie ZETTEL. Nicht die einzige Überraschung, die Sie erwartet auf dem Weg durch das Universum Grimm.

In 25 modularen Ausstellungsbereichen erfahren Sie mehr über die berühmten Grimm'schen Märchen, ihre Herkunft und Verbreitung sowie die sprachwissenschaftliche Arbeit der Grimms.

Nicht zuletzt wird das Schaffen ihres Malerbruders Ludwig Emil Grimm gewürdigt und ein tieferer Einblick in das Familienleben der Brüder Grimm gewährt.

Einen schnellen Überblick über den Rundgang »Von A bis Z durch die Welt der Brüder Grimm« finden Sie hier:

Der Bereich ZETTEL beleuchtet das Netzwerk der Grimms näher, mit wem Sie in Kontakt standen und wissenschaftlich zusammenarbeiteten.

Der Bereich VOLKSMÄRCHEN widmet sich ihrem bekanntesten Werk, den »Kinder- und Hausmärchen«.

Die persönlichen Arbeitsexemplare der Brüder Grimm, die sogenannten Handexemplare, seit 2005 Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes, werden im Bereich BUCH ausgestellt. Hier wird zudem das breite Spektrum und die Themenvielfalt des Grimm’schen Forschungsinteresses veranschaulicht.

Dazu gehört auch das »Deutsche Wörterbuch«, an dem Jacob und Wilhelm ab 1838 arbeiteten und dessen Geschichte im Bereich FROTEUFEL und SPRACHSCHATZ erzählt wird. Der Schimpfworttrichter ÄRSCHLEIN lädt die Besucher*innen ein sich mit den Wortwandlungen des »Deutschen Wörterbuchs« vertraut zu machen.

In der DORNENHECKE können dann große und kleine Märchenfans in die Welt der Märchen eintauchen.

Der Bereich LEBENSLÄUFER, mit biografischen Zeugnissen aus Kindertagen bis hin ins hohe Alter, führt in den Bereich CASSEL. Dort wird das künstlerische Werk des Malerbruders Ludwig Emil Grimm präsentiert.

Im Bereich NACHLASZ finden sich dann allerlei Dinge aus dem Grimm'schen Haushalt, von Mobiliar über Geschirr bis hin zu Erinnerungsstücken wie den Milchzähnen.

  • CASSEL

    In CASSEL (heute Kassel) lebten Jacob und Wilhelm Grimm mit Unterbrechungen rund dreißig Jahre lang. Auch ihre Geschwister machten Kassel zu ihrer Heimat und lebten und arbeiteten in der kurfürstlichen Hauptstadt. Tauchen Sie ein in das Kasseler Leben der Grimms.

    Ob beim häuslichen Kartenspiel mit den Geschwistern in der ersten eigenen Wohnung, bei feinen Abendgesellschaften zu Gast bei der Kurfürstin Auguste oder bei einem Spaziergang auf dem Land – der fünfte Grimm-Bruder Ludwig Emil Grimm (1790-1863), mit dem Jacob und Wilhelm mehrere Jahre in Kassel zusammenlebten, hatte immer ein Skizzenbuch zur Hand und hielt darin Ereignisse, Personen und Eindrücke fest. Die Zeichnungen versah er mit kurzen humorvollen Notizen, mit Datum und dem Ortsnamen: CASSEL, das sich zu Grimms‘ Zeit noch mit C schrieb. So schuf Ludwig Emil eine Art Chronik der Kasseler Jahre seiner beiden berühmten älteren Geschwister. Durch seine Märchenillustrationen trug er außerdem ganz wesentlich zum Erfolg des Märchenbuchs bei.

  • NACHLASZ

    Aus dem Leben der Grimms haben sich trotz der zahlreichen Umzüge der Brüder etliche Gegenstände erhalten.
    Als notorische Sammler haben Jacob und Wilhelm Grimm bereits zu Lebzeiten einige Objekte archiviert und beschrieben.

    Diese blieben neben Gegenständen aus ihrem persönlichen Besitz und Hausrat nach ihrem Tod zunächst häufig in Familienbesitz. Heute sind zahlreiche zentrale Stücke in Archive und Museen gelangt, wo sie bewahrt und erforscht werden.

    Die relativ große Zahl an überlieferten Schriften und Gegenständen aus dem Familienbesitz der Brüder Grimm verdanken wir einer bürgerlichen Kultur, die seit Beginn des 19. Jahrhunderts den Wert persönlicher Traditionsbildung befördert und das Sammeln von biografischen Gegenständen als Teil einer Naturgeschichte der Person begreift. Mit dem Tod der Brüder werden die Gegenstände aus ihrer Lebenswelt zu der Nachwelt überlieferten Zeugnissen.

  • DORNENHECKE

    In den Grimm‘schen Märchen markiert die DORNENHECKE den Übergang in eine andere Welt. Sie öffnet sich für den, der zum richtigen Zeitpunkt kommt, und lässt ihn ein in einen verzauberten Raum. In der GRIMMWELT beherbergt diese aber noch zahlreiche Gäste aus anderen Märchen ...

    ein sprechender Spiegel weiß um die Schönste im ganzen Land, ein hüpfender Froschkönig und erstaunte Zwerge begrüßen die Besucher*innen, im Lebkuchenhaus aus »Hänsel und Gretel« und im Haus von Rotkäppchens Großmutter warten spannende Überraschungen und Begegnungen. Am besten begeben Sie sich selbst auf Entdeckungsreise durch die DORNENHECKE.

  • ZETTEL

    Das Werk der Brüder Grimm ist aus dem Geist der Zettelwirtschaft geboren. Die Arbeitsvorhaben der Grimms sind dadurch charakterisiert, dass ihnen fast ausnahmslos Sammelprojekte zugrunde liegen, denkt man nur an die Sammlung der »Kinder und Hausmärchen«, das »Deutsche Wörterbuch« oder die »Deutschen Sagen«.

    Diese Sammlungen sind ohne das bewegliche Medium des einzelnen Zettels nicht denkbar. Die Betrachtung des Zettels als kleinste materielle Einheit der Arbeit gibt Aufschluss über die Praktiken der Aneignung, Verwaltung und Umwandlung von Wissen und damit die Produktionsbedingungen des Grimm‘schen Werkes.

  • VOLKSMÄRCHEN

    Die Grimm‘schen Märchen geben sich uralt, echt hessisch oder deutsch, quasi von der Bauersfrau an dunklen Winterabenden erzählt. Sie sind bis heute das Synonym für authentische Volksmärchen. Doch wie ist die berühmte Sammlung der »Kinder- und Hausmärchen« der Brüder Grimm wirklich entstanden?

    Der Bereich VOLKSMÄRCHEN konzentriert sich auf die Eigenlogik der Märchen als literarische Texte. Er rückt den interkulturellen Entstehungsgrund und die romantische Bearbeitung vor allem Wilhelm Grimms in den Blick, um die weit verbreitete Vorstellung von den »Märchenonkeln« Grimm mit ihrer »Volksnähe« aufzubrechen. Denn nicht dies ist für den ungeheuren Erfolg der »Kinder- und Hausmärchen« verantwortlich. Vielmehr reagieren sie mit ihrem Erscheinen 1812 auf eine Leerstelle: Als neue literarische Gattung stellen die Märchen an der Schwelle zur Moderne einen im Vergangenen situierten Symbolvorrat zur Verfügung, der das Selbstverständnis des modernen Menschen zutiefst prägt, sodass sogar schon gesagt wurde, die Märchen hätten die Rolle der Bibel abgelöst.

  • BUCH

    Der Bereich stellt die Sprach- und Kulturforschungen der Brüder Grimm vor - von der ersten Sammlung Wilhelms, den »Altdänischen Heldenliedern«, bis zu Jacobs umfassender kulturgeschichtlicher »Deutschen Mythologie«. Er zeigt dabei auch, welche Bandbreite an Themen die Brüder Grimm bearbeitet haben.

    Neben einer Vielzahl wissenschaftlicher Publikationen, veröffentlichten die Grimms rund 700 Aufsätze in wissenschaftliche Zeitschrift, einem Medium, das sich seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den deutschen Ländern etabliert hatte.

    Herzstück dieses Ausstellungsbereichs sind die Handexemplare der »Kinder- und Hausmärchen«, die persönlichen Arbeitsexemplare der Grimms, die 2005 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe »Memory of the World« gehören. Kulturgeschichtlich sind diese Bände besonders wertvoll, weil die handschriftlichen Eintragungen den Entstehungsprozess der Grimm’schen Märchen dokumentieren.

  • SPRACHSCHATZ

    SPRACHSCHATZ steht hier auch für die Spuren der Grimms in Werken der zeitgenössischen Kunst und verbindet die GRIMMWELT mit dem internationalen, alle fünf Jahre stattfindenden Kunstereignis in Kassel. Auf der documenta 11 war das Werk »buch der wörter/random reading« von Ecke Bonk im Fridericianum ausgestellt.

    Bonk beschäftigt sich hier mit der langwierigen, über 180 Jahre dauernden, Geschichte des »Deutschen Wörterbuchs« der Brüder Grimm. In papiernen wie digitalen Medien untersucht er die Vielfalt und die poetische Kraft dieses einzigartigen deutschen Sprachmonuments. Mit einer großformatigen, chronologisch gereihten Wandinstallation der Teillieferungen des »Deutschen Wörterbuchs« verweist er auf die Geburt der Sprachforschung aus dem Medium des Papiers.

    Eine Endlosliste zeigt als Projektion im Foyer alle Begriffe des »Deutschen Wörterbuchs« in alphabetischer Reihenfolge – von A bis Zypressenzweig. Und schließlich werden die vollständigen Wörterbucheinträge in zufälliger Ordnung, auf drei Wände in Lesegeschwindigkeit projiziert. Würde man das gesamte Wörterbuch in der Art visualisieren, wären 25 Jahre nötig.

  • FROTEUFEL

    Mit dem »Deutschen Wörterbuch«, häufig einfach »Der Grimm« genannt, hinterließen die Brüder ein Erbe, welches bis in unsere aktuelle Gegenwart hineinreicht. Was Jacob 1838 mit der Vertragsunterzeichnung als ein Siebenjahresprojekt angesetzt hatte, erweist sich als megalomanes und schließlich unabschließbares Projekt.

    FROTEUFEL als letzter Eintrag, der von Jacob vor seinem Tod vollständig bearbeitet wurde, erzählt die lange Geschichte des »Deutschen Wörterbuchs« als »Biografie eines Buches«.

    Die Geschichte des »Deutschen Wörterbuchs« wird in einer künstlerischen Arbeit von Alexej Tchernyi, bestehend aus 14 Dioramen, erzählt. Die Bildkästen sind ganz aus kunstvoll bearbeitetem und effektvoll hinterleuchtetem Papier gearbeitet.

  • ÄRSCHLEIN

    Das Schimpfen gehört selbstverständlich in jede Sprache der Welt. Auch die Grimms haben dies im Gegensatz zu vielen weiteren Wörterbuch-Autoren ihrer Zeit erkannt und nahmen auch die niederen und anstößigen Begriffe der deutschen Sprache auf.

    Zwischen »Aas« und »Windbeutel« war dem »Deutschen Wörterbuch« kein Eintrag zu derb, als dass er nicht für die unendliche Vielfalt des gesprochenen und geschriebenen Deutsch stehen konnte. ARSCH erweist sich dabei als eines der beliebtesten »anstöszigen Wörter« mit einer Unzahl von Komposita. Aber es finden sich auch »Dreckbatze«, »Fatzgespötte«, »Hundsfutt« oder »Spinnenarsch« und »Vettel«. Hier zeigt sich der immer wieder von den Grimms thematisierte Sprachwandel, also die Veränderungen des Sprachgebrauchs durch die unterschiedlichen kulturellen Kontexte: Heute denken wir bei »Vettel« eher an Formel-1-Piloten, dagegen kennt unsere aktuelle Sprach- und Schimpfgewohnheit eine Reihe von Ausdrücken, die ihre abwertende Energie in ganz anderen Wortformen entfalten.

  • LEBENSLÄUFER

    Auf dem Weg durch die Lebensläufe der Brüder Grimm lassen sich spannende Entdeckungen machen! Hier wird die Lebensgeschichte der berühmten Märchensammler in Briefen, Dokumenten, Zeichnungen, Fotos, Gemälden und sogar den eigenhändig verfassten Selbstbiografien von Jacob und Wilhelm Grimm gezeigt.

    Doch das ist gar nicht so leicht, denn ein Leben auf ‚authentische’ Art anhand von Objekten auszustellen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Gerade das sogenannte »Leben« sperrt sich nicht nur gegen die Stillstellung im Objekt, sondern ist immer schon erzähltes und damit erfundenes Leben. Die Brüder Grimm selbst haben bereits zu Lebzeiten ihr Leben festgehalten und eine Reihe von Geschichten und Bildern ihres eigenen Lebens fixiert. Sie stehen damit in einer Tradition bürgerlicher Selbstvergewisserungspolitiken, in denen die chronologisch festgehaltene Lebensgeschichte leitend war. Mit ihrem Tod übernahmen dann die vielen Biografen das Ruder. Aber so oder so: Lebensläufe sind immer Konstruktionen, die mehr Aufschluss über gesellschaftliche Normen als über das gelebte Leben geben. LEBENSLÄUFER präsentiert daher die Biografie der Grimms in ihrer eigenen Schreibweise – als autobiografisch aufgeschriebenes, erzähltes Leben.

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