Aufs Maul geschaut

Luther und Grimm wortwörtlich

16|06|2016 - 31|10|2016
Sonder­ausstellung

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Ein Gruppe von Menschen wird durch die Ausstellung geführt.

Morgen | 15.00 Uhr

Die GRIMMWELT von A-Z

Sonder­ausstellung

Titelmotiv zur Sonderausstellung Akte Rumpelstilzchen

AKTE RUMPELSTILZCHEN. Eine Spurensuche in Märchen und Recht

Die Ausstellung beleuchtet die Frage nach Recht und Unrecht in drei Kapiteln und spannt einen Bogen von den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm über ihr Leben und Wirken bis in unsere Gegenwart.

Dauerausstellung

Mutter und Kind schauen sich Märchenbücher im Bereich VOLKSMÄRCHEN an.

Erlebnisraum GRIMMWELT

Hier kommen die Brüder Grimm in der Jetzt-Zeit an: Künstlerisch, interaktiv und multimedial vermittelt.

Sonderausstellung - Aufs Maul geschaut

»Aufs Maul geschaut. Luther und Grimm wortwörtlich« widmet sich mit der Sprache einem Thema, das uns täglich begleitet. Sinnlich und spielerisch beschäftigt sich das Projekt mit Herkunft und Wandel unseres Sprachgebrauchs.

Sie beleuchtet, wie Martin Luther die deutsche Sprache geprägt hat und wie sich dies im Wirken der Brüder Grimm spiegelt. Ihrer jeweiligen Auseinandersetzung mit Sprache ist gemeinsam, dass sie dabei dem Volk »aufs Maul geschaut«, Überliefertes gesammelt und neu geordnet haben.

»Martin Luthers Einfluss auf die Brüder Grimm und die deutsche Sprache ist beeindruckend. Wir freuen uns, diese Sprachvielfalt, in der GRIMMWELT zu präsentieren und zur eigenen Beschäftigung mit dem Reformator und genialen Übersetzer Martin Luther einzuladen.«

Susanne Völker, Geschäftsführerin der GRIMMWELT Kassel
Installation in der Sonderausstellung Aufs Maul geschaut
Frau betrachtet Installation in der Sonderausstellung
Installation in der Sonderausstellung

Bereiche

»Aufs Maul geschaut. Luther und Grimm wortwörtlich« greift elf Wendungen auf, die Martin Luther geprägt hat. »Perlen vor die Säue«, »Buch mit sieben Siegeln«, »Alles hat seine Zeit« und andere bekannte Redensarten wurden ausgewählt und inszeniert.

Die Umsetzung spricht alle Sinne an und fordert das Publikum an unterschiedlichen Stationen dazu auf, selbst aktiv zu werden. Dabei können sie sich des eigenen Sprachgebrauchs bewusst werden, aber auch die Verdienste sowohl Luthers als auch der Brüder Grimm um die Sprache vor Augen führen.

Sie können ihr »Scherflein beitragen« und im SMS-Chat mit Luther kommunizieren, ›Wortperlen‹ und die Entstehung neuer Wörter beobachten, Staub hören und auf diese Weise Sprache erleben. Keiner muss »im Dunkeln tappen«, sondern man kann Erhellendes erfahren und zu bestimmten Zeiten mit persönlichen Begleitern ins Gespräch kommen.

Martin Luther

Martin Luthers intensive und innovative Beschäftigung mit Sprache wirkt bis heute. Zum einen ist es seine Übersetzungstätigkeit, die ihn zur Suche nach neuen Ausdrücken und Formulierungen bewegte, die noch heute gebräuchlich sind. Zum anderen ist es auch sein Beruf bzw. seine Berufung: Für seine Predigten sucht und findet er Geschichten und Metaphern, verwendet einprägsame Bilder und Texte zur Vermittlung von Bibelinhalten ebenso wie seiner Gedanken.

Eine dieser Geschichten, die Martin Luther zur Auslegung des Psalms 101 nutzte, fand 1837 Eingang in die dritte Auflage der Grimm'schen Märchensammlung, unter dem Titel »Der kluge Knecht«. Im »Deutschen Wörterbuch« haben sich die Brüder Grimm mit zahllosen Belegen auf Luther bezogen. In einem Bericht auf der Germanistentagung hält Wilhelm Grimm 1848 fest, dass der Sprachschatz, den sie darin dokumentieren, mit Luther beginnen und mit Goethe enden soll: »Zwei solche Männer, welche, wie die Sonne dieses Jahres den edlen Wein, die deutsche Sprache beides feurig und lieblich gemacht haben.«.

Luther erreichte ein hohes Maß an Sprachkraft, Klarheit und Wirkung durch das Ringen um möglichst prägnanten, anschaulichen und alltagsnahen Ausdruck. Er nutzte dafür einen reichen Fundus an Wörtern, Wendungen und Metaphern. So gibt es eine beachtliche Anzahl von Neubildungen, die Martin Luther zugeschrieben werden, wie zum Beispiel »Feuereifer«, »Machtwort«, »Gewissensbisse«, »Lückenbüßer« oder »Lockvogel«.

Diese sprachliche Kraft wurde von den Brüdern Grimm und ihren Zeitgenossen hoch geschätzt und wirkt bis heute. So äußerte sich beispielsweise auch Goethe zu Luthers Bibelübersetzung, deren Wirkung unübertroffen geblieben sei. Viele neu geschaffene Wörter und Wendungen, aber auch bereits bestehende sind durch die Lutherbibel im Sprachschatz über Jahrhunderte hinweg verfestigt worden.

»Aufs Maul geschaut. Luther und Grimm wortwörtlich« widmet sich dieser Prägnanz und sprachlichen Kraft.

»Wortwörtlichkeit – das meint den intensiven, genauen und sinnlichen Umgang selbst mit einzelnen Wörtern unserer Sprache, wie wir das in höchstem Maße bei Luther und auch bei den Brüdern Grimm beobachten können. Solche Spracherfahrung wollen wir mit dieser Ausstellung jeder Besucherin und jedem Besucher vermitteln.«

Dr. Friedrich W. Block, Kurator

Impressum

»Aufs Maul geschaut. Luther und Grimm wortwörtlich«

Das Projekt »Aufs Maul geschaut. Luther und Grimm wortwörtlich« entstand in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin und ihren Partnern Stiftung Brückner-Kühner (Kassel) und Neue Fruchtbringende Gesellschaft (Köthen). Es wurde von Dr. Friedrich W. Block kuratiert und vom Studio TheGreenEyl (Berlin) realisiert. Die Luther-Dekade zum 500-jährigen Bestehen der Reformation gibt dazu den Anlass.

Förderung

Gefördert wurde die Ausstellung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.