Erlebnisraum GRIMMWELT

25 Bereiche – noch viel mehr Entdeckungen und ein paar Tipps für ganz Eilige

Die Gestaltung der GRIMMWELT vernetzt Themen und Eindrücke und entwickelt über den Rundgang ein vielschichtiges Bild von den Brüdern Grimm. Der Rundgang nimmt seinen Anfang nicht bei den Märchen, sondern im Kern des Selbstverständnisses der Brüder Grimm bei der Sprach- und Kulturforschung, bevor er zu Hexen, Zwergen und Wölfen führt. Die Buchstaben des Alphabets weisen den Weg und Begriffe aus dem »Deutschen Wörterbuch« der Grimms bilden die Überschriften, doch aufgepasst: Der Rundgang beginnt nicht mit A und setzt sich über B und C fort, sondern die vielschichtige Arbeitsweise der Grimms stand Pate für eine Wissenslandschaft, die Überraschungen und Entdeckungen birgt. 

Mit dem Alphabet durch die Welt der Brüder Grimm

Es geht los mit Z wie ZETTEL und der Weg führt über O wie ORGANISISERUNG in das Netzwerk und die Arbeitsweise der Grimms, bis er zunächst im Bereich B wie BUCH verweilt und das Gesamtwerk und darin hervorgehoben die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen (seit 2005 UNESCO-Weltdokumentenerbe) erschließt. F wie FROTEUFEL und S wie SPRACHSCHATZ laden ein zur Auseinandersetzung mit dem Wörterbuch, ÄRSCHLEIN und WORTARBEIT vermitteln spielerisch und nahbar die Beschäftigung mit der Sprache. Danach wird es märchenhaft: Wenn der Weg in die DORNENHECKE führt, kann man KLEINWESEN und UNDINGEN begegnen. Man kann bei ERZÄHLENHÖREN und ILLUMINIEREN hören und sehen, was die Welt der Märchen, Wunder und der Imagination bereithält. Der Weg des LEBENSLÄUFERS führt auf biographischen Wegen schließlich zu N wie dem Grimmschen NACHLASS und zu CASSEL mit einer weiteren Überraschung: dem Maler und Bruder von Jacob und Wilhelm: Ludwig Emil Grimm.

BEOBACHTUNGSZEIT

Je nachdem, wieviel Neugier und Zeit jeder mitbringt, ist es in der GRIMMWELT möglich, in vielschichtiges Wissen und spannende Erlebnisse rund um die Brüder Grimm einzutauchen.

Auf keinen Fall verpassen sollten Sie diese 10 Stationen: 

Die Welt der Sprache und der Wörter

  • FROTEUFEL. ©GRIMMWELT Kassel, Foto: A. Berthel

  • WORTARBEIT. ©GRIMMWELT Kassel, Foto: Jan Bitter

  • SPRACHSCHATZ. ©GRIMMWELT Kassel, Foto: A. Berthel

BUCH: Seit 2005 gehören die persönlichen Arbeitsexemplare der Erstausgabe der Kinder- und Hausmärchen von Jacob und Wilhelm Grimm zum UNESCO Weltdokumentenerbe. Sie werden auf der Liste »Memory oft the World« geführt. Dort stehen sie neben vielen anderen weltgeschichtlich bedeutenden Schriften, darunter die Logbücher von James Cook, die Goldene Bulle, der Teppich von Bayeux, das Tagebuch der Anne Frank oder die Magna Carta. Was macht diese Bücher so bedeutend? Sie enthalten die handschriftlichen Notizen und Kommentare von Jacob und Wilhelm Grimm zur Erstausgabe der Kinder- und Hausmärchen von 1812 (1. Band) und 1815 (2. Band). An ihnen lässt sich die Veränderung der Texte durch die genialen Märchensammler nachvollziehen. 

SPRACHSCHATZ: Über 320.000 Begriffe versammelt das Deutsche Wörterbuch, das die Brüder Grimm initiierten. Sie selbst kamen zu Lebzeiten bis zum Buchstaben F. Andere haben ihr Werk weitergeführt und vervollständigt. Der Künstler Ecke Bonk hat sich mit der Monumentalität und Vielfalt dieses Werkes künstlerisch auseinandergesetzt. Entstanden ist die Arbeit »Random Reading / Buch der Wörter«, die bereits 2002 auf der documenta XI zahlreiche Besucher in ihren Bann gezogen hat. Sie besteht aus drei Teilen: Die Endlosliste zeigt als Projektion alle Begriffe des Deutschen Wörterbuchs in alphabetischer Reihenfolge und ein Zähler zeigt an, wo in der Fülle der Wörter der jeweilige Begriff angeordnet ist. Nicht minder eindrucksvoll ist die Blockhängung aller über die Jahre erschienenen Lieferungen zum Deutschen Wörterbuch in chronologischer Reihenfolge. Sie füllen Wände und vermitteln eindrucksvoll den Inhaltsreichtum des umfassenden Werks. Schließlich lässt eine dreiteilige Projektion mit den vollständigen Wörterbucheinträgen in zufälliger Reihenfolge in das Werk selbst eintauchen und bietet die Möglichkeit, sich in der Welt der Wörter zu verlieren. 

FROTEUFEL: Der letzte Eintrag, den Jacob Grimm vor seinem Tod 1863 für das Deutsche Wörterbuch fertigstellte, war »FROTEUFEL«. Wilhelm war bereits vier Jahre zuvor verstorben. Es sollte noch weitere gut 100 Jahre dauern, bis das »Deutsche Wörterbuch« erstmals »vollständig« (bei gleichzeitigem Beginn der Neubearbeitung) vorlag. Die künstlerische Arbeit von Alexej Tchernyi zeigt in 14 Bildkästen die Geschichte des »Deutschen Wörterbuchs« – ganz aus kunstvoll bearbeitetem und effektvoll hinterleuchtetem Papier. 

WORTARBEIT: Sprache verändert sich. Sie ist nichts Feststehenden und bis heute entwickelt sie sich laufend weiter. Die Brüder Grimm gingen diesen Veränderungen nach. Dabei waren sie nicht nur am einzelnen Wort interessiert, sondern auch an ihren Verbindungen und Beziehungen zueinander. In einer interaktiven Installation können hier Wörter assoziativ miteinander verknüpft werden. Gemeinsam entsteht ein Wortgebilde aller, die sich an dieser Station mit ihren Wörtern einbringen möchten. 

Die Welt der Imagination und der Bilder

  • DORNENHECKE. ©GRIMMWELT Kassel, Foto: M. Zgoll

  • ERZÄHLENHÖREN. ©GRIMMWELT Kassel, Foto: Jan Bitter

  • HOLZWURZEL. ©GRIMMWELT Kassel, Foto: N. Frank

HOLZWURZEL: Jacob und Wilhelm Grimm nannten ihre Arbeit auch »Wurzelforschungen«. Der chinesische Künstler Ai Weiwei, als documenta-Künstler und als Preisträger des Kasseler Bürgerpreises »Glas der Vernunft« eng mit Kassel verbunden, hat in der Arbeit  »Colored Roots« fünf südchinesische Holzwurzeln mit Autolack bearbeitet und mit ihnen vielfältige Verbindungen zu den Brüdern Grimm geschaffen: von der Wurzelforschung bis hin zu einem Märchenwald, an den der eine oder andere Besucher denken mag. Die Arbeit ist für die Präsentation in der GRIMMWELT Kassel entstanden.

ERZÄHLENHÖREN: Wohl fast jeder kennt das Märchen »Rumpelstilzchen“. Ein kleiner fieser, aber einsamer Gnom hilft der Königstochter aus der Misere, indem er für die Stroh zu Gold spinnt, verlangt dafür aber ihr erstgeborenes Kind. Rettung ist erst möglich, als die Königstochter dem Rumpelstilzchen seinen Namen korrekt nennen kann. Märchen werden zumeist mündlich erzählt: Eltern erzählen die Geschichten ihren Kindern, Großeltern ihren Enkelkindern. Das ist auf der ganzen Welt so. Doch wie klingt denn ein solches Märchen auf russisch, italienisch, finnisch, japanisch, chinesisch oder arabisch? Die Filmkünstlerin Hannah Leonie Prinzler verrät es uns. Eine Installation zeigt Personen, die das Märchen in 22 Sprachen, Gebärdensprache und fünf Dialekten erzählen.

DORNENHECKE: Jeder kennt die Dornenhecke, durch die sich der Prinz zu Dornröschen hindurchkämpfen muss. Diese Dornenhecke beherbergt aber noch zahlreiche Gäste aus anderen Märchen: ein sprechender Spiegel weiß um die Schönste im ganzen Land, ein hüpfender Froschkönig und erstaunte Zwerge begrüßen die Gäste, im Lebkuchenhaus der Hexe und im Haus von Rotkäppchens Großmutter gibt es spannende Überraschungen und Begegnungen. Am besten begibt man sich selbst auf Entdeckungsreise durch die DORNENHECKE.

 

Die Welt der Brüder Grimm

  • LEBENSLÄUFER. ©GRIMMWELT Kassel, Foto: A. Berthel

  • NACHLASZ. ©GRIMMWELT Kassel, Foto: A. Fischer

  • QUITTE. ©GRIMMWELT Kassel, Foto: N. Frank

LEBENSLÄUFER: Hier wird die Lebensgeschichte der Brüder Grimm präsentiert. Gezeigt werden Briefe, Dokumente, Zeichnungen, Fotos, Gemälde und sogar die eigenhändig verfassten Selbstbiografien von Jacob und Wilhelm Grimm. Wussten Sie, dass die beiden Märchensammler auch zwei der berühmten »Göttinger Sieben« waren und Jacob Grimm Mitglied der Frankfurter Paulskirchenversammlung von 1848? Auf dem Weg durch die Lebensläufe der Brüder Grimm lassen sich spannende Entdeckungen machen.

NACHLASZ: Aus dem Leben der Brüder Grimm haben sich trotz der zahlreichen Umzüge der Brüder etliche Gegenstände erhalten. Als notorische Sammler haben Jacob und Wilhelm Grimm bereits zu Lebzeiten einige Objekte archiviert und beschrieben. Diese blieben neben Gegenständen aus ihrem persönlichen Besitz und Hausrat nach ihrem Tod zunächst häufig in Familienbesitz. Heute sind zahlreiche zentrale Stücke in Archive und Museen gelangt, wo sie bewahrt und erforscht werden. 

CASSEL: In Cassel (heute Kassel) haben Jacob und Wilhelm Grimm mit Unterbrechungen rund dreißig Jahre gelebt und gearbeitet. Doch hier gibt hier noch etwas anderes zu entdecken – oder vielmehr jemanden: Ludwig Emil Grimm war ein jüngerer Bruder von Jacob und Wilhelm und brachte es als Maler, Zeichner und früher Karikaturist selbst zu Bekanntheit und Anerkennung. Seinen frühen Märchenillustrationen wird heute ein nicht unwesentlicher Anteil am Erfolg der Sammlung zugeschrieben.

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