Grimm

Die Brüder Grimm

Familiengeschichte

Urgroßvater Friedrich d. Ä. und Großvater Friedrich Grimm d. J. waren in Hanau Pfarrer des reformierten Glaubens calvinistischer Prägung. Vater Philipp wurde Jurist und arbeitete zunächst als Stadtsekretär in Hanau, später als Amtmann in Steinau. Die Mutter Dorothea war Tochter des Kanzleirats Johann Hermann Zimmer.

Die fünf Grimmbrüder werden in Hanau geboren und wachsen wohlbehütet in bürgerlichen Verhältnissen auf. Als der Vater Amtmann wird, zieht die Familie nach Steinau in ein großes Amtshaus um und führt dort im Umfeld angesehener Bürger ein standesgemäßes Leben mit Kutscher, Mägden und anderem Dienstpersonal.

Auswahl von Manuskripten und Briefen der Brüder Grimm. ©GRIMMWELT Kassel

Die Grundsteine der Ausbildung von Jacob und Wilhelm legten Tante Juliane Charlotte Friederike Schlemmer, Schwester des Vaters, Jacobs Lieblingstante, die ihnen schon vor ihrem Schulbesuch das Lesen beibrachte und Tante Henriette Zimmer, die Schwester der Mutter, die den beiden Unterkunft und Schulausbildung in Kassel finanzierte.

Der Vater stirbt mit 44 Jahren früh und Jacob als Ältester empfindet bereits elfjährig die Verantwortung für die Familie. Sorgsam trägt er den Tod des Vaters in die Familienbibel ein und benachrichtigt alle Verwandten, später schreibt er einen höflichen Bittbrief an seine Tante in Kassel. Doch auch die Mutter Dorothea muss aktiv werden. Der Amtsnachfolger setzt die Familie förmlich auf die Straße, Erspartes gibt es nicht, der soziale Abstieg ist absehbar. Die alleinerziehende Mutter mit sechs Kindern findet eine neue Bleibe in einem bescheideneren Viertel, wo man ohne Personal lebt und keine Gäste mehr empfängt. In dieser Phase lernen die Kinder auf sich allein gestellt zu sein, sich eigenständig Wissen anzueignen und ihren Alltag zu organisieren.

Jacob und Wilhelm lebten ihren Glauben an Gott im Privaten. Sie hielten nichts von konfessionellen Ritualen und engagierten sich öffentlich lieber politisch für Freiheit und Einigkeit in ihrem Vaterland.

Um die Versorgung der Familie zu sichern, beschließen Vater und Schwester der Mutter, die beiden ältesten Söhne in Kassel am Lyceum Fridericianum ausbilden zu lassen. Unter finanziellem Druck und mit eiserner Arbeitsdisziplin absolvieren Jacob und Wilhelm ihr Lernpensum in hohem Tempo: Sie schließen die Schule in der Hälfte der Regelzeit ab und beginnen im Anschluss daran in Marburg ihr Studium der Rechtswissenschaft. Schon von Kassel aus übernehmen sie die Erziehung ihrer jüngeren Geschwister durch engen Briefkontakt. Nach dem Tod der Mutter stellen sie für die Geschwister lebenslang eine verlässliche Anlaufstelle dar.

Ihre letzte Ruhestätte ist der Matthäi-Friedhof in Berlin, dort liegen Jacob und Wilhelm nebeneinander – zwei schlichte Grabsteine würdigen sie trotz ihrer engen Gemeinschaft als individuelle Persönlichkeiten.

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